Wir rechnen Mieterstrom für ein 8-Parteien-Haus mit 20 kWp PV durch: Einnahmen, Kosten, Nettoertrag und Vergleich mit Netzeinspeisung und Energy Sharing.
Mieterstrom Beispielrechnung: Was verdient ein Vermieter wirklich?
Zuletzt aktualisiert: April 2026
Lohnt sich Mieterstrom für dein Mehrfamilienhaus? Wir rechnen transparent durch: 8 Mietparteien, 20 kWp Photovoltaik, alle Einnahmen und Kosten. Am Ende siehst du den Netto-Ertrag und den Vergleich mit Volleinspeisung und Energy Sharing.
Antwort-Box: Mieterstrom Beispielrechnung auf einen Blick
Bei einer 20 kWp Anlage mit 8 Mietparteien erzielt Mieterstrom typischerweise rund 1.700 € Mehrertrag pro Jahr gegenüber reiner Netzeinspeisung. Voraussetzung: realistische Direktverbrauchsquote von etwa 35 Prozent und Mieterstrompreis bei 38 ct/kWh.
Modell | Brutto-Erlöse | Kosten und Stromeinkauf | Netto-Ertrag |
|---|---|---|---|
Volleinspeisung | 2.156 € | 150 € | 2.006 € |
Mieterstrom | 8.653 € | 4.922 € | 3.731 € |
Energy Sharing (ab Juni 2026) | 3.800 € | 400 € | 3.400 € |
Stand: April 2026. Mieterstromzuschlag, Einspeisevergütung und Strompreise werden regelmäßig angepasst. Wir aktualisieren diesen Artikel halbjährlich.
Annahmen für die Rechnung
Wir legen alle Werte offen, damit du die Rechnung mit eigenen Zahlen nachbauen kannst.
Parameter | Wert |
|---|---|
Mehrfamilienhaus | 8 Wohneinheiten |
PV-Anlage | 20 kWp Aufdach |
Spezifischer Ertrag | 950 kWh/kWp (Süddeutschland) |
Jahresertrag PV | 19.000 kWh |
Verbrauch je Wohneinheit | 2.500 kWh (BDEW 2-Personen-HH) |
Gesamtverbrauch im Haus | 20.000 kWh |
Direktverbrauchsquote | 35 Prozent (ohne Speicher) |
Solarstrom an Mieter | 6.650 kWh |
Reststrombedarf | 13.350 kWh |
Überschuss-Einspeisung | 12.350 kWh |
Mieterstrompreis | 38 ct/kWh (90% Grundversorger 42,83) |
Reststrom-Einkauf | 32 ct/kWh |
Die Werte sind konservativ. Mit Speicher oder Top-Standort geht mehr, mit ungünstiger Lage weniger.
Beispielrechnung 1: Netzeinspeisung als Vergleichsbasis
Als reiner Volleinspeiser fließt der gesamte Solarstrom ins Netz, dafür gibt es die feste EEG-Vergütung. Seit 1. Februar 2026: 12,34 ct/kWh bis 10 kWp und 10,35 ct/kWh für 10 bis 40 kWp. Bei 20 kWp ergibt das anteilig einen Mischsatz von rund 11,35 ct/kWh.
Position | Wert |
|---|---|
Eingespeiste Energie | 19.000 kWh/Jahr |
Mischvergütung | 11,35 ct/kWh |
Brutto-Erlös | 2.156 € |
Wartung und Versicherung | -150 € |
Netto-Ertrag | 2.006 €/Jahr |
Das ist der bequeme Weg: keine Mieterverträge, keine Abrechnung, keine Lieferantenpflicht. Aber der Ertrag ist niedrig.
Beispielrechnung 2: Mieterstrom
Beim Mieterstrom wird der Vermieter zum Stromlieferanten seiner Mieter. Die rechtliche Grundlage liefert das EEG (§ 21, § 21a) und das EnWG mit dem Lieferantenrahmen.
Wie sich die Einnahmen zusammensetzen
Drei Erlösquellen kommen zusammen:
Stromverkauf an Mieter: Der Mieterstrompreis darf laut § 42a EnWG höchstens 90 Prozent des örtlichen Grundversorgertarifs betragen. Bei aktuell 42,83 ct/kWh in der Grundversorgung sind das maximal 38,55 ct/kWh. Wir rechnen mit 38 ct.
Mieterstromzuschlag: Der Bund fördert Mieterstrom über einen Zuschlag pro gelieferter kWh. Für Anlagen 10 bis 40 kWp mit Inbetriebnahme zwischen Februar und Juli 2026 beträgt er 2,36 ct/kWh.
Einspeisevergütung für den Überschuss: Was nicht direkt verbraucht wird, geht ins Netz. Für Teileinspeisung gelten 7,78 ct (bis 10 kWp) und 6,73 ct (10 bis 40 kWp), gemittelt rund 7,26 ct/kWh.
Wie sich die Kosten zusammensetzen
Mieterstrom ist kein Selbstläufer. Du brauchst Messkonzept mit Unterzählern, Messstellenbetreiber für die Smart Meter, Abrechnungsdienstleister (z.B. Metergrid, Solarize, Polarstern) und den Reststromeinkauf für die Stunden ohne Sonne.
Die Rechnung
Position | Wert |
|---|---|
Erlöse | |
Stromverkauf an Mieter (20.000 kWh mal 38 ct) | 7.600 € |
Mieterstromzuschlag (6.650 kWh mal 2,36 ct) | 157 € |
Einspeisevergütung Überschuss (12.350 kWh mal 7,26 ct) | 896 € |
Brutto-Erlöse gesamt | 8.653 € |
Kosten | |
Reststromeinkauf (13.350 kWh mal 32 ct) | -4.272 € |
Abrechnungsdienstleister (8 mal 30 € pro Jahr) | -240 € |
Messstellenbetrieb (Hauptzähler plus 8 Unterzähler) | -260 € |
Wartung und Versicherung PV | -150 € |
Kosten gesamt | -4.922 € |
Netto-Ertrag | 3.731 €/Jahr |
Mehrertrag gegenüber Volleinspeisung: 3.731 € minus 2.006 € sind rund 1.725 € pro Jahr.
Das klingt erstmal gut. Aber: Du wirst Energieversorger. Das heißt Pflicht zur Stromlieferung rund um die Uhr, Rechnungsstellung nach EnWG, Anmeldung beim Hauptzollamt für die Stromsteuer, Umgang mit Mieterwechseln. Der Aufwand ist real.
Beispielrechnung 3: Energy Sharing als Ausblick
Mit § 42c EnWG, der zum 1. Juni 2026 in Kraft tritt, kommt ein neues Modell ins Spiel: Energy Sharing. Dabei teilen sich PV-Betreiber und Stromabnehmer im selben Quartier den Solarstrom direkt, ohne dass der Anlagenbetreiber zum Stromlieferanten wird. Mehr dazu in unserem Pillar-Artikel Was ist Energy Sharing?.
Was das praktisch bedeutet
Die Mieter behalten ihren bestehenden Stromversorger.
Du stellst den Solarstrom über eine Energy-Sharing-Plattform zur Verfügung.
Die Verrechnung läuft im 15-Minuten-Takt über Smart Meter, koordiniert vom Plattformbetreiber.
Du verkaufst den geteilten Strom zu einem fairen Mittelpreis, typisch rund 20 ct/kWh.
Die Rechnung
Position | Wert |
|---|---|
Geteilter Solarstrom (gesamte 19.000 kWh) | 19.000 kWh |
Energy-Sharing-Preis | 20 ct/kWh |
Brutto-Erlöse | 3.800 € |
Plattform-Fee und Wartung | -400 € |
Netto-Ertrag | 3.400 €/Jahr |
Auf den ersten Blick liegt der Netto-Ertrag etwas unter Mieterstrom. Aber der Aufwand ist deutlich geringer: keine Lieferantenrolle, keine Stromsteuer-Anmeldung, kein Reststromeinkauf, keine Doppelrolle als Vermieter und Versorger. Du behältst dafür mehr Stunden im Jahr und weniger Risiko.
Außerdem ist Energy Sharing nicht auf das eigene Haus beschränkt. Wenn auch Nachbarn im Quartier teilnehmen, lässt sich die Einspeisemenge weiter reduzieren und der Erlös steigt. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du in Mieterstrom vs. Energy Sharing.
Was kostet die Umsetzung?
Zusätzlich zur PV-Anlage fallen einmalige und laufende Kosten an:
Position | Spanne |
|---|---|
Messkonzept (Planung, Zähler, Verkabelung) | 4.000 bis 8.000 € einmalig |
Smart-Meter-Rollout | 200 bis 400 € pro WE einmalig |
Stromsteuer, Lieferantennummer, Bilanzkreis | 20 bis 30 Stunden interner Aufwand |
Laufende Abrechnung | 25 bis 40 € pro WE und Jahr |
Bei 8 Wohneinheiten landest du schnell bei 6.000 bis 12.000 € Einmal-Investition. Bei 1.725 € Mehrertrag pro Jahr rechnet sich das in 4 bis 7 Jahren - wenn kein Mieter abspringt.
Fazit: Lohnt sich Mieterstrom?
Mieterstrom lohnt sich, wenn drei Bedingungen zusammenkommen:
mindestens 6 bis 8 Wohneinheiten im Haus
niedrige Mieterfluktuation
Bereitschaft, dauerhaft Energieversorger zu sein
Wer eines davon nicht mitbringt, sollte ernsthaft Volleinspeisung oder Energy Sharing prüfen. Energy Sharing wird ab Juni 2026 für viele Vermieter der bessere Weg sein: weniger Bürokratie, kein Lieferantenstatus, ähnlicher Ertrag bei deutlich geringerem Aufwand. Die Logik dahinter erklären wir in Energy Sharing vs. Einspeisevergütung.
Wir verkaufen keine PV-Anlagen, keine Speicher, keine Wärmepumpen. Unser Team in der Schweiz betreibt Energy-Sharing-Plattformen seit 2023. Wir senken die Stromkosten dahinter, egal ob du dich für Mieterstrom oder Energy Sharing entscheidest.
Häufige Fragen zur Mieterstrom Beispielrechnung
Wie viel Gewinn macht man mit Mieterstrom?
Bei 20 kWp und 8 Mietparteien liegt der Netto-Ertrag bei rund 3.700 € pro Jahr, etwa 1.700 € mehr als bei Volleinspeisung. Voraussetzung: 38 ct/kWh Mieterstrompreis und 35 Prozent Direktverbrauch.
Was kostet ein Mieterstrom-Messkonzept?
Für ein 8-Parteien-Haus: 4.000 bis 8.000 € einmalig fürs Messkonzept plus 200 bis 400 € pro Wohneinheit für Smart Meter. Laufend kommen 25 bis 40 € pro WE und Jahr für die Abrechnung dazu.
Ab wie vielen Wohneinheiten lohnt sich Mieterstrom?
Wirtschaftlich typischerweise ab 6 bis 8 Wohneinheiten. Darunter sind die Fixkosten zu hoch im Verhältnis zum Mehrertrag. Energy Sharing kann für kleinere Objekte ab Juni 2026 die bessere Wahl sein.
Wie unterscheidet sich die Abrechnung von normalem Strom?
Der Vermieter wird Stromlieferant und rechnet nach EnWG ab: Verbrauchsdaten, Jahresrechnung, Reststromausweisung, Stromsteuer ans Hauptzollamt. Abrechnungsdienstleister wie Metergrid übernehmen das. Bei Energy Sharing behalten Mieter ihren bisherigen Versorger.
Wie hoch ist der Mieterstromzuschlag 2026?
Laut Bundesnetzagentur für Inbetriebnahme zwischen 1. Februar und 31. Juli 2026: 2,54 ct/kWh bis 10 kWp, 2,36 ct/kWh für 10 bis 40 kWp, 1,59 ct/kWh für 40 bis 1.000 kWp. Zum 1. August 2026 sinken die Sätze um 1 Prozent.
Kann ich Mieterstrom und Energy Sharing kombinieren?
Für dieselben kWh nein. Du kannst aber Bestandsanlagen im Mieterstrom-Modell weiterlaufen lassen und neue Anlagen über Energy Sharing erschließen. Welcher Weg passt, hängt von Anlagengröße, Mieterstruktur und Aufwandstoleranz ab.
Du willst es für dein Objekt durchgerechnet haben?
Pyrpose Energy startet 2026 in Deutschland mit Energy Sharing nach § 42c EnWG. Wenn du wissen willst, was deine Anlage im Energy-Sharing-Modell bringt, trag dich auf die Warteliste ein. Du bekommst regelmäßig Updates zur Gesetzeslage und zum Marktstart und einen unverbindlichen Vergleich für dein Objekt.
Quellen und weiterführende Links:
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